Eines Tages stand ein gepflegter, älterer Herr am Empfang in Albisbrunn. Der Mann hat sich als Heinz Gilgien vorgestellt. Er war während der Kriegsjahre in Albisbrunn, ist heute 87-jährig und hatte laut seinen Aussagen eine gute Zeit in Albisbrunn. Er brachte einen Zeitungsbericht mit über Albisbrunn mit schwarz-weissen Fotos. Ein Artikel, den sein Vater verfasst hatte. Dieser veröffentlichte unter dem Pseudonym Vetter Hans sowohl Radiobeiträge als auch Zeitungsartikel. Ebenso war er vierzig Jahre lang Herausgeber des Kalenders „Wir jungen Schweizer“. Das tönte spannend und war Grund genug, Heinz Gilgien zuhause in Riehen zu besuchen.

Heinz Gilgien ist auch mit 87 Jahren noch immer sehr interessiert an Technik. In einer Ecke seines Wohnzimmers steht ein Projektor und auch ein Computer fehlt nicht. Nicht zuletzt hat sein Interesse am Funktionieren von technischen Dingen zu seinem Aufenthalt in Albisbrunn geführt. Es begann damit, dass niemand mit ihm Französischwörter lernte und er aus diesem Grunde aus dem Progymnasium geflogen und in die Primarschule zurückversetzt worden ist. Dort fühlte er sich ausgeschlossen und einsam. Gemeinsam mit einem älteren Kollegen experimentierte er darauf in seiner Freizeit an chemischen Versuchen. Es interessierte ihn wie etwas funktioniert, speziell was irgendwie explodieren, zischen oder Funken sprühen konnte. Da die Grundmaterialien fehlten, stahl er Geld, um sich die nötigen Utensilien zu kaufen. Die Buben zündeten ein kräftiges Blitzlicht und es kam wie es kommen musste, ein Nachbar erstattete Anzeige und die Beiden wurden verhört.

Bei Heinz Gilgien führte das und noch weitere familiäre Unzulänglichkeiten dazu, dass er schlussendlich ins Albisbrunn eingewiesen wurde. Er durfte so die Sekundarschule nachholen. Chemie interessierte ihn weiterhin und er lernte diese aus den Büchern. Die Pädagogen hätten ihn machen lassen – es sei für ihn eigentlich eine gute Zeit gewesen. Er war zur selben Zeit wie Eva Zeltner (die Tochter des damaligen Heimleiters und heutige Psychologin und Autorin von verschiedenen Büchern zur Erziehung) in Albisbrunn. Er durfte jeweils am Tisch mit Max Zeltner und Eva Zeltner das Essen einnehmen – das schätzte er sehr. Insgesamt war er eineinhalb Jahre in Albisbrunn, fühlte sich gut aufgehoben und speziell eine pädagogische Mitarbeiterin hätte gut zu ihm geschaut.

Als es um das Finden einer Lehrstelle ging, ging er erneut ins Berner Oberland und absolvierte erstmals zwei Praktika, eines in der kriegstechnischen Abteilung des Bundes und eines im Buntmetallwerk Selve. Es gelang ihm dann auch, die Aufnahmeprüfung des Technikum in Burgdorf zu bestehen und sichtlich stolz merkte er an, dass von 60 zu Prüfenden nur 15 die Aufnahmeprüfung geschafft hätten. Trotzdem, ganz glücklich wurde er nicht, er sass oft zuhause und war allein. Es gelang ihm aber, das Technikum mit Auszeichnung abzuschliessen. Er fand eine Anstellung in St. Gallen und studierte nebenberuflich Gesang und Musik. Bis zur Konzertreife als ausgebildeter Bass-Bariton hat Heinz Gilgien während rund 30 Jahren nebenberuflich als Solist an zahlreichen Konzerten mitgewirkt und dabei einen wohltuenden Ausgleich zu seinem Beruf gefunden. Aus St. Gallen wurde er abgeworben und kam zu der damaligen Ciba Geigy. Dieser blieb er sein ganzes restliches Berufsleben treu. Seine Geschichte erzählt Heinz Gilgien spannend und sie zeigt, dass er alles andere als ein langweiliges Leben führte.

Ruedi Jans, Gesamtleiter

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