Meinen ersten Kontakt mit der Stiftung Albisbrunn machte ich bereits im Jahr 2005. Ich heisse Manuel Gürber und war damals auf der Suche nach einem Lehrbetrieb für mein letztes Lehrjahr als Koch. Glücklicherweise konnte ich das Lehrjahr und die abschliessende LAP im Küchenteam Albisbrunn machen. Nach meiner erfolgreich bestandenen LAP 2006 hätte ich nie gedacht, dass ich jemals wieder im Albisbrunn arbeiten würde. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Die Jahre vergingen und meine Erinnerungen an die Zeit im Albisbrunn verblassten. Bis mir eines Tages mein Bruder Fabian erzählte, dass er sich für die Ausbildung zum Sozialpädagogen interessieren würde und deshalb ein Praktikum in Albisbrunn beginnt. Sogleich kamen meine durchwegs positiven Erinnerungen an die Institution wieder auf. Natürlich war ich neugierig, was Fabian über die Arbeit und Albisbrunn zu berichten hatte.
Ende 2013 musste ich dringend meinen langen Zivildiensteinsatz organisieren. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um einen Einblick in die Sozialpädagogik zu erhalten.
Bei einer Diskussion an einem Familienfest kamen wir auf die Idee, dass ich meinen Zivildiensteinsatz in Albisbrunn absolvieren könnte. Fabian wusste, dass das Albisbrunn immer wieder Zivildienstleistende sucht. Wir fanden die Idee beide super, also begann ich mit den Abklärungen.
Und tatsächlich war die Wohngruppe „am Rebberg“ bereit, mich sechs Monate als Zivildienstler zu beschäftigen. Da Fabian sein Praktikum ebenfalls auf dem Rebberg startete und erst später auf die Wohngruppe „Handwerker“ wechselte, war der Name Gürber bei den Jugendlichen auf dem Rebberg bereits ein Begriff.
Nun bekamen die Jugendlichen allerdings ein Problem. Fabian und ich sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Das war uns gar nicht mehr so bewusst. Die Jugendlichen jedoch konnten kaum glauben, wie ähnlich unsere Stimmen und Körpersprachen sind. Sie hatten extrem Mühe, uns auseinanderzuhalten. Monatelang wurde ich immer wieder mit Fabian angesprochen. Ich hatte schon begonnen, auf diesen Namen zu reagieren, als ob es meiner wäre.
In den vergangen Jahren haben Fabian und ich uns jeweils nur noch an den Familienfesten gesehen und hatten sonst nicht sehr viel Kontakt. In den letzten sechs Monaten, während meines Zivildienstes, haben wir uns trotz der Weitläufigkeit des Areals deutlich häufiger gesehen.
Viele Leute kamen auf mich zu und fragten, ob es nicht merkwürdig sei, am gleichen Ort wie der Bruder zu arbeiten. Wir beide empfanden das jedoch nie als seltsam, sondern eher als Freude, ein Familienmitglied in der Nähe zu haben. Schon nach ein, zwei Wochen wurde es für uns zur Gewohnheit. Und nun, nach gut sieben Monaten gemeinsamer Zeit in Albisbrunn können wir sagen, unsere Beziehung ist deutlich besser und intensiver geworden.
Aktuell befinden wir uns beide im Bewerbungsprozess für einen Ausbildungsplatz. Unser Ziel ist es, im Herbst 2015 mit der Ausbildung zum Sozialpädagogen beginnen zu können.
Sofern also alles so funktioniert wie geplant, werden beide Gürbers noch einige Jahre über das Albisbrunn Areal schleichen.
Manuel Gürber, Praktikant Wohngruppe Bärenwald
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