Ausstellung von Kitiphan Kaeowichian an der Schuljahres-Abschlussfeier 2016.

Kitiphans farbigen, uni, gebrannten oder getrockneten Tonobjekte berührten die Ausstellungsbesucher. Hände an Herzen, Mischwesen aus Schlangen und Raubvögeln und witzige, anstössige Kombinationen aus dem Alltag und der Welt der Fantasie liessen eine grosse Vielfalt von Ideen erkennen und gaben einen Einblick in Kitiphans künstlerisches Arbeiten.

Der anstössige Stinkefinger in Form eines Penis war in Windeseile verkauft.

Kitiphan erzählte den Besuchenden von seiner persönlichen Auseinandersetzung in der Kunst- und Ausdruckstherapie, mit den Materialien Speckstein und Ton während seiner zweijährigen Maleranlehre in Albisbrunn. Während einer Phase im Drogenentzug, weg von Albisbrunn, widmete er sich zuerst dem Material Speckstein und wechselte dann zum Ton. Zurück in Albisbrunn besuchte er regelmässig das Abendatelier der Kunsttherapeutin Brigit Stadler, wo er seine Ideen weiterverfolgen und umsetzen konnte. Die Gestaltungsmöglichkeiten weckten sein Interesse und ermöglichten ihm, den inneren Welten und Gedanken gegen Aussen eine Form zu geben. So verdrängte die Neugierde an der Auseinandersetzung mit den Materialien das Bedürfnis, Cannabis zu konsumieren.

Die Tonerde ist ein Material, das sich leicht formen und verändern lässt. Durch den Brand im zwischen 800 und 1000 Grad heissen Ofen verändern die Objekte die Konsistenz und bekommen eine feste Form. Mit Farben können weitere Akzente gesetzt werden. Diese Vielfalt an Möglichkeiten wirkt auf Kitiphan inspirierend. Während seine Hände das Material knetend, tastend und streichend erkunden, tauchen Bilder aus der Lebensgeschichte auf. Sie werden über die gestaltende Hände materialisiert und bekommen eine neue Form. Manchmal sind es auch Ideen oder ein konkretes Bild aus der Erinnerung, die er genau umsetzen möchte. So wandelt sich eine Erinnerung zur Idee und über einen längeren, intensiven Prozess mit dem Material zu einem Objekt.

Manchmal drängen äussere Einwirkungen eine Neukonzeption auf. Das Selbstporträt aus Plastik ging beim Rohbrand in die Brüche. Kitiphan liess die Teile liegen, betrachtete sie immer wieder, bis er eines Tages die einzelnen Teile nahm und auf frischem Ton sie wieder zusammensetzte. Aus Bruchstücken entstand ein neues Ganzes.

Faszinierend sind auch Kitiphans Assoziationen zu den fünf Säulen der Identität nach HG Petzold (1. Leib / Leiblichkeit, 2. soziales Netzwerk / soziale Bezüge, 3. Arbeit und Leistung, 4. materielle Sicherheit, 5. Werte), die in der Therapiestunde angeregt wurden. Seine Interpretation der Säule „soziales Netzwerk“ kreist um die Themen von Beziehungen.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte Kitiphan die Gelegenheit, seine Werke anlässlich der Ausstellung „Kunst in Hausen“ einer grösseren Öffentlichkeit zu zeigen. Bereits dort fielen seine Werke auf. Kitiphans Objekte entstehen aus ihm heraus. Die Werke sind nicht einfach gefällig, sie erzählen, fordern zum Dialog auf und wecken eigene Assoziationen.

Brigit Stadler Kunst- und Ausdruckstherapeutin

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