Im August 2015 startete Face-It, eine Gruppentherapie zur Förderung der Cannabisabstinenz. Es wurden Jugendliche aufgenommen, die in der Lehre sind und bereit waren, sich mit ihrem Cannabiskonsum auseinanderzusetzen und abstinent zu werden.

Es war bald klar. Ein gewisser Wille war bei allen vorhanden. Jedoch wirklich auch umsetzen stand auf einem anderen Blatt. Verschiedene Aspekte wie die Angst, die Zugehörigkeit bei den Peers zu verlieren, das Ändern von Gewohnheiten und der Aufwand, neue Wege für schnelle Entspannung nach der Arbeit oder bei nagenden Problemen und Fragen zu finden, braucht viel Kraft. Es ist auch nicht cool, einfach brav zu sein. Im Gruppenprozess bündelten sich diese unterschiedlichen Aspekte und spiegelten sich im Widerstand. Die Betriebe belohnten die Bereitschaft mit dem Einverständnis, dass die Gruppentherapie während der Arbeitszeit stattfinden konnte. Kehrseite des kleinen „Zückerchens“ war, dass die Jugendlichen verpflichtet waren, zu kommen.  Die Verpflichtung, zusammen mit dem Thema „wie kann ich abstinent werden?“, bildete den Rahmen der Gruppentherapie.

Es fanden insgesamt 22 Termine mit einer stabilen Gruppe statt.

In einer ersten Phase wurden die Jugendlichen aufgefordert, Vor- und Nachteile von Konsum und Abstinenz herauszufinden. Es zeigte sich, dass sie relativ gut Bescheid wussten über die positiven und negativen Auswirkungen des Cannabiskonsums. Wissen und Problembewusstsein wurde darauf vertieft.

Wiederkehrend setzten sie sich  mit den Fragen auseinander: Was wiederholt sich? Was bringt es mir? Wann und warum brauche ich einen Joint? Wie begegne ich dem „Reissen“?

Letztere Frage führte zum Sammeln von Alternativen zum Cannabiskonsum. Inzwischen war ein gewisses Vertrauen untereinander vorhanden und einzelne Jugendliche erzählten mehr von sich und den Hintergründen. Sich eingestehen, dass man vielleicht doch schon süchtig ist, brauchte viel Mut. Keiner wollte als süchtig gelten. Sie unterschätzen jedoch, wie schnell eine Gewohnheit zur Abhängigkeit führen kann. Die Wirkung auf die Gedächtnisleistung, die Emotionen und den Einfluss auf ihre Entwicklung stiess auf Interesse. In der Peergruppe „Nein“ zu sagen, und sich nicht mehr zur Gruppe gehörig zu fühlen, weil man keinen Flash hat, braucht Mut und Selbstvertrauen.

Nach dem Ausfüllen eines Fragebogens im Internet zur eigenen Süchtigkeit rundeten Fragen zum Sinn des Lebens das Modul Face-It ab.

Die Rückmeldungen der Jugendlichen zeigen, dass die teils zähen Auseinandersetzungen in der Gruppe und die Hartnäckigkeit am Thema zu bleiben etwas in Bewegung gebracht hat:

„Der „Online_Test“ war gut. Möchte reduzieren. Schätzte die ernsthaften Personen in der Runde“

„Möchte das Kiffen, reduzieren, mich  abgrenzen.“

„Besser umgehen können, wenn ich  down bin. Nein sagen können. Habe es geschafft den Beruhigungsjoint zu ersetzen.“

„Fitness gehen. Wenn du richtig aufhören willst vor Kollegen eine Zigi rauchen, statt kiffen.“

„ Es hat gebracht, dass ich gemerkt habe, dass ich es für mich machen muss.“

„Ich habe meinen Konsum reduziert. Möchte in einem Jahr ganz aufhören können.“

„Das Face-It hat mir gezeigt, wie ich für den Moment auf einen Joint verzichten kann. Ansonsten hat es mir nichts gebracht, da es nur für den Moment hilft. Aufhören möchte ich im 2. Lehrjahr.“

„Das man mit andern Sachen den Konsum schwächen kann zum Beispiel Kaugummi kauen, Zeichnen. Irgendwann aufhören, dass ich wieder normal Sport machen kann.“

Face-It zeigte mehr als deutlich auf: Eine Abstinenz kann nicht mit Verboten und Sanktionen erzwungen werden. Der Verzicht auf Cannabiskonsum gelingt nur, wenn der Jugendliche für sich  einen Sinn sieht.

Catherine Schuppli, Leiterin Psychotherapie

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