07:30 Uhr

Auf dem Gelände von Albisbrunn angekommen, gehe ich direkten Weges ins Personalrestaurant La Table, um mir einen Kaffee zu holen.

07:35 Uhr

Im Büro von Toni Rogenmoser, unserem Schulsozialpädagogen ist meistens schon geschwätziges Treiben und es wird gelacht und gewitzelt. Die Status der Schüler werden an einem Whiteboard visualisiert, Informationen werden ausgetauscht und Zuständigkeiten abgemacht.

07:45 Uhr

Zusammen mit den anderen Lehrpersonen begebe ich mich dann in Richtung Turnhalle. Meistens treffen wir auf dem Weg bereits die ersten Schüler. Manche kommen mit ihren Skate- oder Longboards angefahren, einige werden von Sozialpädagogen begleitet, andere von Musik aus portablen Boxen. Vor der Turnhalle werden, falls nötig, Informationen ausgetauscht, Stufenaufträge kontrolliert und der Status der Schüler definitiv festgelegt. Manchmal werden Schüler in den Schultrakt geschickt, wo sie betreut durch den SSP oder eine Einzelunterrichtslehrperson an ihren fehlenden Aufträgen arbeiten.

Anschliessend gehe ich in die Turnhalle, schliesse den Wandschrank und den Ballraum auf und den Computer oder das Handy an die Stereoanlage an. Während die Schüler in die Halle kommen spielt Musik. Kurz vor acht Uhr stelle ich die Musik ab und begebe mich zur Mitte der Turnhalle.

08:00 Uhr

Wir starten im Mittelkreis. Ich leite den Morgensport jeweils am Mittwoch und aktuell wird mit den Schülern intensiv im Bereich Basketball trainiert. Nach einigen Einwärmübungen, Passspielen oder Stafetten geht es weiter mit typischen Basketball Drills. Ballhandling, Layups, Jumpshots, Passübungen und zum Schluss der Stunde dann noch ein richtiges Spiel über das ganze Feld.

08:45 Uhr

Nachdem der Watcher (Lehrperson, die den Unterricht von der Tribüne aus beobachtet) im Mittelkreis Rückmeldungen zum Verlauf des Unterrichts sowie dem Verhalten und dem Einsatz der Schüler gegeben hat, gehen alle Duschen. Nachdem ich mich geduscht und angezogen habe, kontrolliere ich die Schülergarderoben und nehme liegengebliebene Gegenstände in die Lehrergarderobe.

09:10 Uhr

Nun startet der eigentliche Unterricht im Schulzimmer. Ich gebe korrigierte Sachen zurück, oder wir besprechen die Silence-Aufgaben. Ich informiere die Schüler über das Programm des Tages. Anschliessend wird beispielsweise eine halbe Stunde an der Klassenlektüre gelesen und die zugehörigen Fragen als Textverständnis gelöst. Die Schüler sind angehalten, ruhig und konzentriert zu arbeiten.

09:55 Uhr

Es läutet zur Pause. Momentan ist unsere Klasse dafür verantwortlich, dass die Tischtennisschläger im Pavillon zur Verfügung stehen und am Schluss auch wieder ins Schulzimmer zurückgebracht werden. Einmal in der Woche hole ich den Kaffee und die Sandwiches für die Lehrpersonen und den SSP. Während der Pause wird Rundlauf gespielt. Die Lehrpersonen spielen aktiv mit und sorgen gleichzeitig dafür, dass sowohl Tischtennis- als auch Schulhausregeln eingehalten werden.

10:20 Uhr

Im Unterricht wird nun beispielsweise im Fach Algebra das Ausmultiplizieren von Klammern an der Wandtafel eingeführt und anschliessend von den Schülern am Platz geübt. Ich helfe den Schülern, wenn Probleme auftreten, bin verantwortlich, dass sich jeder Schüler auf die Aufgaben konzentrieren kann. Teilweise müssen Schüler verwarnt werden, was mit gelben und roten Karten geschieht. Manchmal verweise ich einen Schüler ins Einzelzimmer oder in mein Büro, damit er alleine in einem Raum arbeiten kann.

11:00 Uhr

Die letzten vierzig Minuten können sich die Schüler individuell mit Aufträgen beschäftigen, die im Verlauf der Schulwoche bearbeitet werden müssen. Ich schreibe die Aufträge in eine Liste an der Wandtafel. Wenn ein Schüler einen Auftrag erledigt hat, kreuzt er mit Kreide das entsprechende Feld an. Einige Schüler arbeiten an ihrem Pult, andere an den Arbeitsplätzen mit Computern. Ich versuche den Unterricht in einem Flow-Zustand zu halten, was bedeutet, dass ein möglichst reibungsloser Unterricht stattfinden kann. Jeder Schüler wird individuell betreut, ausser es macht Sinn, dass Schüler in Partnerarbeit an einem Auftrag arbeiten. Solange die Zusammenarbeit produktiv ist, lasse ich die Schüler kooperieren.

11:50 Uhr

Es läutet zur Mittagspause. Ich erinnere die Schüler daran ihre Sporttaschen mitzunehmen und zu leeren. Langsam verlassen die Schüler die Zimmer und den Schultrakt. Die Lehrpersonen treffen sich im Gang oder in einem der vier Schulzimmer. Übergaben von Klassenlehrpersonen an Fachlehrpersonen werden gemacht. Einzelunterrichtslehrpersonen geben Feedback zu den einzelnen Schülern und man bespricht sich ad hoc, damit der Start in den Nachmittag reibungslos verlaufen kann.

Mittagspause

Meistens gehe ich dann ins LaTable, um mich vom Küchenteam kulinarisch verwöhnen zu lassen. Ich schätze die Gespräche am Mittagstisch, mag es mich mit den verschiedensten Menschen, über Gott, die Welt und unnützes Wissen auszutauschen. An manchen Tagen verzichte ich auf das Mittagessen und gehe statt dessen  in den Kraftraum, um dort ein equilibrierendes Workout mit gleichgesinnten Mitarbeitern zu machen. Wie Sokrates schon wusste: In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist!

Nach der Schinderei geniesse ich eine erfrischende Dusche und verlasse frisch und glücklich die Turnhalle. Je nach Zeitmanagement reicht es noch für einen Kaffee, sonst geht es wieder hoch ins Schulzimmer, wo die Schüler in Empfang genommen werden.

13:30 Uhr

Der Unterricht beginnt. Am Nachmittag unterrichte ich meine Schüler in den Fächern: Geografie, Geschichte, Physik, Biologie und Chemie. Zurzeit stehen topografische Übungen und die Orientierung auf unserem Globus im Mittelpunkt des Interesses. Die Schüler arbeiten mit dem Atlas oder mit Google-Earth, während ich sie darin unterstütze, die verschiedenen Anforderungen, die an sie gestellt werden zu meistern.

Manchmal braucht es viel Überredenskunst und Motivationsgeschick oder hitzige Diskussionen und Streitgespräche. Andere Situationen verlangen Humor und Gelassenheit oder Einfühlungsvermögen und ein offenes Ohr. Ich versuche ein wertschätzendes Klima in der Klasse zu etablieren und eine direkte, offene Feedbackkultur zu leben. Fehler dürfen gemacht werden – in ihnen liegt ein grosses Lernpotenzial  – und sie sind menschlich!

15:00 Uhr

Es läutet zur Pause und wir gehen erneut in den Pavillon. Dort spiele ich mit den Schülern bei jeder Witterung Tischtennis.

15:20 Uhr

Es folgt eine letzte Unterrichtseinheit. Meistens werden angefangene Arbeiten fertig gemacht und anschliessend von mir eingesammelt. Die Schüler machen Ordnung an ihrem Arbeitsplatz und bewerten sich selbst im Kompetenzenheft. Sie überprüfen ihr Wochenziel und können nun, wenn sie genügend Punkte gesammelt haben eine kleine Bestellung schreiben. Ich erkläre den Schülern die Silence-Aufträge, die es auf den nächsten Tag zu erledigen gilt und händige ihnen die Aufgaben aus.

16:00 Uhr

Falls Schüler sich noch auf Stufe befinden, oder durch eine direkte rote Karte ein Kompetenztraining absolvieren müssen, sitze ich mit den entsprechenden Jungs nun hin, um den Auftrag zu erledigen.

17:00 Uhr

In der Regel haben jetzt alle Schüler das Schulzimmer verlassen. Ich packe die zu korrigierenden Hefte oder Blätter sowie meine Sachen zusammen und mache – wenn nötig – Journal Einträge oder Materialbestellungen, checke und schreibe Mails oder kopiere Arbeitsblätter für den nächsten Tag.

17:30 Uhr

Nun endet mein Arbeitstag und ich setze mich ins Auto, stelle die Musik an und fahre dem Sonnenuntergang entgegen …………. doch morgen schon geht alles von vorne los …

Roman Kuster, Lehrer

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