Seit einigen Jahren fertige ich aus Baumstämmen leidenschaftlich gern mit der Kettensäge Kunst- und weitere Gegenstände an. Es handelt sich um alte Bäume aus der Region, die keiner mehr brauchen kann oder will und die mir der benachbarte Forstbetrieb liefert. Da Ray Gimmi meine HolzArt bereits kannte, fragte er mich anfangs 2016 an, ob ich Interesse an Nussbaumholz hätte, welcher auf dem Areal des Albisbrunn gefällt werden müsse. Mit Freude sagte ich zu, stapfte etwas später zusammen mit Ray durch den Schnee und durfte die gefällten Bäume inspizierten. Zwei Stücke sägte Ray mir auf der Stelle zurecht und lieferte sie im folgenden Frühling, gut auf Paletten fixiert, zu mir nach Hause. Mit grossem Krafteinsatz und unter Mithilfe der kippbaren Ladefläche wuchteten wir die mächtigen Stücke zu zweit vom Lieferwagen. Ein herunterdonnerndes ‚Holzpaket‘ spaltete mit seinem Gewicht grad noch eine Steinplatte des Gartenwegs – ups! …es ist inzwischen wieder mit Gras überwachsen… Diesen Kraftakt feierten wir dann erst mal bei Wurst und Bier.

In der Folge schaute ich mir die beiden Holzteile dann etwas genauer an und sah im einen Stück mit seinen verschiedenen Verästelungen eine mögliche spezielle Form für eine Figur, ähnlich der Baum-Position aus dem Yoga. Das andere Stück war etwas breiter und weniger hoch, doch mit verschiedenen starken Stammansätzen, und ich stellte mir vor, dass daraus eventuell ein Stuhl oder Sessel entstehen könnte.

Zunächst schnitzte ich aus den überlangen Teilen der Äste einige schöne Herzen. Ich sägte die Herzen direkt am grossen Baumstrunk fertig, da dieser während der Arbeit noch die nötige Stabilität und den Halt gab, und trennte sie erst ganz am Schluss vom grossen Stück ab.

Dann machte ich mich an die Arbeit für die Yoga-Figur. Das Nussbaumholz ist immer speziell schön und auch spannend zu bearbeiten, da vor allem im dunkeln Kernholz jeweils ganz wundervolle Holzzeichnungen zum Vorschein kommen. Doch gab es hier auch noch andere Überraschungen: Das Holz war innen teilweise bereits etwas abgebaut und die morschen, weichen Teile ‚brösmeleten‘ einfach so weg… die Figur wurde immer schlanker und schlanker, bis ich wieder auf festes Holz stiess… und schliesslich brach auch noch der unterste Teil des angestellten Beines weg. Zuerst etwas erschrocken, überlegte ich mir wie ich diesen ergänzen könnte. Ich besprach mit einem Bekannten, der mit Roheisen arbeitet, ob es wohl eine Möglichkeit gäbe, das Bein durch ein Eisenteil zu ergänzen. Ich dachte auch daran, das fehlende Teil allenfalls mit Ton auszufüllen. Doch mit der Zeit gefiel mir die Figur, so ‚unvollständig‘ wie sie war, immer besser und ich beschloss, sie so zu belassen wie es das Holz eben selbst mitbestimmt hatte. Die schöne Yoga-Figur ziert nun das Weihnachtsschaufenster einer Drogerie in Pfäffikon ZH und wird danach im Werkladen in Pfäffikon oder in meiner Praxis in Aathal-Seegräben weiterhin ausgestellt werden.

 

Da das Jahr 2017 für mich durch unzählige berufliche Termine schon sehr stark verplant war, kam ich in der Folge erst im Herbst wieder dazu, mich an die Bearbeitung des zweiten Nussbaumstrunks zu machen. Ich sah nun, dass sich zwischen den drei verwachsenen Stämmen wohl schon länger etwas Erde angesammelt hatte, und darin wuchs friedlich ein kleiner Ahorn heran. Ich grub den Ahorn aus, versetzte ihn in einen grossen Topf und so kann er nun nahe beim Haus weiter gedeihen. Beim Ausgraben des Ahorns merkte ich jedoch, dass die weiche Erde sehr tief hinunter reichte und ich zweifelte einen Moment lang an meinem Vorhaben …ob der Stuhl wohl wirklich noch eine Sitzfläche haben würde? Nun ich würde es beim Weiterarbeiten herausfinden. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die Stämme rundherum relativ stabil miteinander verwachsen waren und ich konnte eine richtig breite und tiefe Sitzmulde sägen. Dabei erkannte ich, dass dies wohl nicht nur ein Stuhl, sondern ein Sessel oder noch besser ein ‚Thron‘ werden würde…

Es ging auf den Tag zu, an dem Ray und Rebi zu uns zu Besuch kommen würden um Rebis Geburtstag zu feiern. Was lag da näher als diesen Strunk als ‚Geburri-Thron‘ für Rebi anzufertigen, sie damit zu überraschen und das stattliche Stück Albisbrunner Nussbaum in neuer Form wieder nach Kappel am Albis, in die Nähe seines Ursprungsortes, zurück zu schenken?

Nun, inzwischen haben Ray und Rebi nochmals einen ‚Schwertransport‘ durchgeführt – diesmal in die andere Richtung und immerhin nicht mehr ganz so schwer wie im Frühjahr 2016. So macht der Nussbaum in seiner neuen Funktion weiterhin und hoffentlich noch lange viel Freude.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ray und dem Albisbrunn für das wunderschöne Holz und die Möglichkeit, mit meiner Kettensäge damit Neues zu gestalten.

Bea Schmassmann, holzart.info / werkladen.ch

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