Im Herbst fahren die Wohngruppen der Stiftung Albisbrunn jeweils für eine Woche ins Aktivitätenlager. In dieser Zeit wird auf dem Bauernhof geholfen, Strassen ausgebessert, Trockenmauern errichtet, Hecken ausgeputzt, und vieles mehr. Die neun Jugendlichen der Wohngruppe am Rebberg verbrachten ihre Lagerwoche im kleinen Bündnerdorf Mon und arbeiteten im Naturpark Ela. Vielleicht kann sich der eine oder andere vorstellen, dass sich die Begeisterung unserer Jugendlichen in Grenzen hält wenn sie wissen, dass sie eine Woche arbeiten müssen anstelle ihrer Ferien zu geniessen. Dementsprechend beginnt für die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen der Stiftung Albisbrunn das Aktivitätenlager nicht am Abreisetag sondern bereits viele Wochen im Voraus. Es wird im Alltag immer wieder angesprochen. Die Teams der Schule, der Lehrbetriebe und der Wohngruppen informieren, diskutieren, motivieren, relativieren und verhandeln. In diesem Jahr wurde auf unserer Gruppe verhandelt, ob es möglich ist nach einem anstrengenden Arbeitstag an einer Spielkonsole zu gamen oder nicht. Die Kunst in der Sozialpädagogik ist, stabile Strukturen zu bieten, die Selbständigkeit und Selbstwirksamkeit zu fördern und gleichzeitig die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Dem folgend haben wir schlussendlich erlaubt, dass sie ihre Spielkonsole mitnehmen dürfen, sofern die Spielzeiten eingehalten werden und es fair zu und her geht. Ich denke so mancher einer würde nach einem anstrengenden Arbeitstag ebenfalls vor den Fernseher sitzen und die Beine hochlagern, wieso also unsere Jungs nicht auch?
Viele Worte kurzer Sinn: Am Montag sind die Jungs vorbereitet und halbwegs motiviert. Die Rucksäcke sind gepackt, die Tickets gelöst und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht es Richtung Mon. Wir sind im alten Schulhaus einquartiert. Es hat ausreichend Platz, so dass alle Zimmerwünsche berücksichtigt werden können und auch Gelegenheit besteht sich zwischendurch zurückzuziehen. Ansonsten geht es am ersten Tag noch ruhig zu und her. Wir erkunden das Haus und die Umgebung und erhalten von Michi, unserem Gruppenleiter vom Parc Ela, eine Einführung in die anstehenden Arbeiten und die Sicherheitsstandards.
Ab Dienstag geht es dann richtig los. Wir starten unseren Arbeitseinsatz mit der Pflege einer Hecke in relativ steilem Gelände. Da heisst es lange Äste, manchmal kleine Bäume, auf einen Haufen zu schichten, Holzscheite auf den Lastwagen zu stapeln und das Laub beziehungsweise kleine Äste zusammen zu rechen. Das Tagesziel ist festgesetzt, bis um fünf Uhr soll die Hecke geräumt sein. Wir schafften es bis um 16.00 Uhr und sind stolz auf unsere Leistung. Am Abend verputzten wir dann noch hungrig das frisch zubereitete Gulasch von Philipp Tiefenbacher, welcher über die gesamte Woche für die Einkäufe, die Verpflegung und die Haushaltsführung verantwortlich ist.
Am Mittwoch stehen ähnliche Aufgaben an, diesmal in flacherem Gelände und daher sind wir sogar noch etwas früher fertig. Nebenbei finden die Jungs heraus, wie toll man in Ölzeug auf nassem Gelände den Hang herunterrutschen kann. In solchen Momenten leuchten die Augen wie bei kleinen Kindern.
Was die oben erwähnten Spielkonsole angeht, wie erwartet gibt es immer wieder Diskussionen und Streitereien darüber wer wann und was spielen darf. Schlussendlich entscheidet das Lagerteam dem ein Ende zu setzen und das Ganze durch eine Liste zu regeln. Jeder darf sich für den Rest des Lagers einmal für eine Stunde eintragen. Die Jugendlichen staunten nicht schlecht als wir vom Team dieses Privileg ebenfalls beanspruchten und auch einforderten. Dadurch nimmt die Diskussion plötzlich eine ganz neue Dimension an. Es ist nicht mehr so wichtig wer und was gespielt wird, jetzt geht es darum wieso man eigentlich mit Spielkonsolen spielt oder bis zu welchem Alter dies in Ordnung ist. Durch diese konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema findet, zumindest für den Moment, ein bewussterer Umgang mit diesen Medien statt.
Der Donnerstag bringt erste Erfahrungen im Ab- und Aufbau von Trockenmauern mit sich. Drei Teams sind am Start, die einen bauen die alte Mauer mit Schaufel und Hacken ab, die zweite Gruppe setzt die neuen Fundamentsteine und die dritte baute den Rest der Mauer wieder auf.
Es ist schön zu beobachten wie wir Tag für Tag besser zusammenarbeiten und als Gruppe zusammenwachsen. So stellte der Freitag mit dem gemeinsamen Hausputz und der Abreise kein Hindernis dar. Schnell wie der geölte Blitz werden die Rucksäcke gepackt, die Putzämtlis erledigt, die Zimmer gereinigt und das Haus abgabefertig hinterlassen. So können wir sogar eine Stunde früher als geplant auf den Zug und somit auch jeder eine Stunde früher in das wohlverdiente Wochenende beziehungsweise die wohlverdienten Ferien.
Abschliessend darf ich, aus sozialpädagogischer Sicht, berichten, dass es ein sehr erfolgreiches Aktivitätenlager war. Unsere Jungs haben zu Recht grosses Lob von dem Bauern welchem die Hecken gehören, von den Passanten welche uns beim Mauern beobachteten und von der Parkleitung des Naturparks Ela erhalten. Sie dürfen stolz auf sich selber sein und wir auf sie. Jeder einzelne Jugendliche ist an seinen Aufgaben gewaschen und hat uns positiv überrascht. Es war anstrengend, doch es hat sich in jedem Fall gelohnt und im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei, wenn es heisst auf in den Park Ela um Hecken zu schneiden und Trockenmauern zu bauen.
Daniela Curiger, Sozialpädagogin
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