In der ersten Juniwoche entfloh die ganze Sekundarschule dem nüchternen Schulalltag und stellte sich der Herausforderung – Outdoorcamp. Weit weg von der gewohnten Komfortzone, vier Tage lang in der wilden Natur des Melchtals mit einfachsten Mitteln zu überleben. Das Ziel war es, sich im Wald mit Blachen ein Nest zu bauen, das nicht nur gemütlich sein, sondern auch den schweizerischen Wetterkapriolen standhalten sollte.
Los ging’s am Montagmorgen mit einer Fahrt nach Kerns, wo ein Halt eingelegt wurde, um die Lebensmittel einzukaufen, die jede Klasse für ihren Kochtag benötigte. Nichts durfte vergessen gehen, da dies der letzte Besuch eines Ladens für die nächsten vier Tage sein sollte. Danach brachten uns die zwei Busse noch nach Flüeli Ranft, dem Startpunkt der Wanderung zu unserem Lagerplatz. Bevor wir jedoch unsere Rucksäcke schultern mussten, galt es noch das erste von den nun täglich folgenden Aktivierungsspielen zu meistern: Durchsteigen eines Seilnetzes, das zuvor Thommy Nigg zwischen zwei Bäume gespannt hatte. Nur mit gegenseitiger Hilfe konnte dies gelingen. Zusammen sind wir stark!
Weit anspruchsvoller war der anschliessende Treck zum Lagerplatz, der von allen einiges abverlangte und nicht immer ohne Murren hingenommen wurde. Doch schliesslich erreichte die ganze Truppe wohlbehalten den Lagerplatz im Wald, der noch jungfräulich darauf wartete von uns in Beschlag genommen zu werden. Jeder suchte sich ein geeignetes Plätzchen, das als Schlafplatz geeignet war, was sich als nicht ganz einfach erwies, und schlug sein Zelt auf. Ein Glück, dass wir dies in den Projekttagen bereits geprobt haben! Zusammen zogen wir dann ein grosses Zelt hoch mit einer Feuerstelle in der Mitte, die dem ganzen Clan als Gemeinschaftsort, Essplatz und Küche dienen würde. Bald schon sollte dies der Treffpunkt sein, wo alle einen Grossteil ihrer Zeit verbringen würde. Sogar ein Kühlschrank in Form einer Tonne, die verschlossen im kühlen Bachwasser vertäut war, konnte geschaffen werden, um verderbliche Ware sicher zu verstauen.
Nach dem Essen, „Riz Casimir dal fuego“, sanken alle müde vom Tag auf ihre Lagerstatt. Die folgenden Tage brachten nun vielseitige Abwechslung auf der einen Seite, erforderte aber auch beinharte Kerle auf der anderen. So wurde im Wald ein Funpark errichtet mit Riesenschaukel, Kletter- und Abseilmöglichkeiten, Strickleiter und einem hundert Meter langen Flying Fox, der einen mit beachtlicher Geschwindigkeit gar über einen Bach fliegen liess.
Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug nach Melchsee-Frutt, wo in gebirgiger Landschaft erst mit Karte und Kompass das an anspruchsvollen Orten versteckte Mittagessen gesucht werden musste, bevor es am Feuer zubereitet werden konnte.
Eine spezielle Herausforderung waren die Mahlzeiten, die alle am Lagerfeuer zubereitet werden mussten. Wer hätte es gedacht? Wir wurden mit Menus wie „Hamburger und Pommes“, „Spaghetti Carbonara“, „Nudelsuppe Frutti del Bosco“ oder zum Frühstück mit Rührei und Toast, Pancakes und Eier und Speck regelrecht verwöhnt.
Zum Abschluss wurde eine Lagerolympiade veranstaltet, wo neben Geschicklichkeit, auch Klugheit gefragt waren. Bei allen Aktivitäten konnten Punkte gesammelt werden, die am Ende für die Titel „Outdoor Proof“ oder gar „Outdoor Champion“ notwendig waren. Bewertet wurden nicht nur „Hard Skills“, wie Zeltbau, Geschicklichkeit, Ausdauer, etc., sondern insbesondere auch „Soft Skills“, wie Hilfsbereitschaft, Kameradschaftlichkeit, Respekt, etc., die für ein erfolgreiches Zusammenleben die Basis sind. Bis auf zwei haben am Schluss denn auch alle die Auszeichnung „Outdoor Proof“ geschafft und Roberto sogar den Titel „Outdoor Champion“.
Toderschöpft kehrte die Truppe am Donnerstag dann ins Albisbrunn zurück, aber nicht bevor noch im MacDonalds in Sihlbrugg ein „All You Can Eat“-Halt eingelegt wurde. Den haben sich die Abenteurer hart verdient, weil sie in der Gruppenwertung gerade genug Punkte sammeln konnten, die dafür die Bedingung waren. Nicht einer, der sein eigenes Bett nicht wieder in vollsten Zügen genossen hat.
Der Freitag stand dann ganz im Zeichen des Aufräumens, Versorgens und der Präsentation im Rahmen der Sozialpädagogik am Nachmittag. An diesem Anlass wurden dann sowohl die Schüler als auch die Leiter des Outdoorcamps in den höchsten Tönen vom Schulleiter Herrn Eder gelobt, der sichtlich stolz allen ihre Auszeichnungen übergeben durfte.
Lukas Abegg, Lehrer
Fotos – Outdoorcamp der Sekundarschule
cool… herzlich Gratulation.
Thomas Zehnder