Viertel nach Sieben. Ein heisser Kaffee. Mein Tag kann starten. – Seit dem neuen Schuljahr und dem täglichen Morgensport für alle Schüler laufen beim Schulsozialpädagogen die Fäden zusammen. Sind alle Schüler am Frühstückstisch? Gibt es verletzte oder kranke Schüler? Ist alles ok, dann heisst es auf zum Sport für unsere Jungs. Jeden Tag. Treffpunkt Turnhalle und Vollgas.
Die Stimmung im Schulhaus gefällt mir. Seit dem Morgensport agieren die Schüler vermehrt als Team und nicht als Einzelkämpfer. So darf es durchaus weitergehen. Dennoch gibt es ab und zu Schüler, die aus dem Rahmen fallen. Diese landen im „Time-In“. Mein Kerngeschäft.
Ein Time-In findet im Gegensatz zum Time-Out nicht ausserhalb der Institution statt, sondern mittendrin. Ich erwarte den Schüler Philipp* um 08:00 Uhr zum Start des heutigen Time-In. Nach einer Eröffnungssitzung beim Schulleiter starten wir unser Programm. Im 1:1 Setting hat der Schüler Zeit, an seinen Selbst- und Sozialkompetenzen zu arbeiten. Wie schaffe ich es, pünktlich im Unterricht zu erscheinen? Wie kriege ich meine Emotionen während der Schullektion in den Griff? Und wer kann mich wie dabei unterstützen? Die Bandbreite der Themen ist gross.
Die gemeinsame Crossfit-Einheit mit dem Lehrerteam in der Turnhalle am Mittag ist Austausch übers Tagesgeschäft und körperliches Training zugleich. Nach einem kurzen Imbiss erscheint Philipp wieder bei mir im Büro. Nach dem intensiven Programm am Morgen gestalten wir den Nachmittag etwas lockerer. Beim Ping Pong Spiel kommen wir ganz ungezwungen ins Gespräch. Der Beziehungsaufbau mit den Schülern ist eine der wichtigsten Grundlagen zur Zusammenarbeit. Nach einem Rückblick über den Tagesverlauf verabschiede ich ihn mit seinen Hausaufgaben in den wohlverdienten Feierabend.
Die Ergebnisse kurz festhalten. Den Plan für Morgen erstellen. Ein kurzer Schwatz im Gang.
„Zuelose!“, tönt es lautstark aus der Kehle des Schulleiters. Der Schülerkontakt von heute hat sich auf die Lehrerschaft ausgewirkt. Bei der wöchentlichen Lehrersitzung wird dies jeweils deutlich. Es wird gezappelt und gelacht. Auch das Lehrerteam kämpft ab und zu mit den Auswirkungen des ADHS.
Achtzehn Uhr. Der längste Wochentag geht zu Ende. Mit 1000 Eindrücken tuckere ich nach Hause.
Toni Rogenmoser, Schulsozialpädagoge
*Name erfunden
[optinform]
ganz schöne Schilderung eines ganz gewöhnlichen Donnerstags. Bravo und danke fürs Verfassen.
Zum guten Glück steht uns Toni stets tatkräftig zur Seite bei der täglichen Schlacht ums schulische und persönliche Weiterkommen unserer Jungs! Ohne ihn würden wir oft auf verlorenem Posten kämpfen. Danke für deine zielstrebige und zuverlässig Arbeit, die du mit deiner fast unerschütterlichen Ruhe verrichtest.