Im Jahr 2020 bin ich, nachdem ich 13 Jahre lang wohnhaft in Zeeland NL war und in der Familienbegleitung tätig, in die Schweiz zurückgekehrt und im Albisbrunn gelandet. Mit 60 Jahren im Jugendheim anfangen zu arbeiten ist wohl eine Ausnahme. Fragen von Kolleg* innen wie zum Beispiel. «Bist du sicher, dass du das willst?» Oder » Willst du deine Karriere so beenden? » Sind mir mit einem Schmunzeln in Erinnerung geblieben. Es war ja gut gemeint.
Was mich freut, ist in einer lernende Organisation zu arbeiten, die vor allem Traumapädagogisch und Ressourcenorientiert unterwegs ist. Diese Haltung überzeugt mich und so arbeiteten wir auch in der Niederlande. Ich merkte jedoch auch, dass einige Sozialpädagog* innen Zweifel haben, mit dieser neueren Haltung und noch an Sanktionen glauben, wie es vor Jahren noch üblich war, auch im Albisbrunn.
Ich war beeindruckt, wie gross das Engagement im Albisbrunn ist. Die direkte und wohlwollende Kommunikation mit den Jungs und untereinander gefällt mir sehr. Diese gegenseitige Akzeptanz, Respekt, Humor und das Wohlwollende stärkt nicht nur das Team, sondern auch die Beziehung zu den Jugendlichen. Sicher gibt es täglich Herausforderungen mit den Jugendlichen, die viel Energie kosten: Drohungen vor allem wegen Geld, häufige Verweigerungen, Rauchen oder Cannabiskonsum usw. Mir hilft es die Hintergründe zu kennen, dass der Jugendliche so reagiert wie er es gelehrt hat und es einen Grund gibt, zudem ein starkes Team im Hintergrund. Ich sehe aber vor allem wie gerne wir die Jungs haben und wie wir mit ihnen in Kontakt treten, das hilft uns im Alltag. Die kleinen und grosse Schritte in der Entwicklung sind manchmal erstaunlich und unsere Highlights bei der Arbeit.
Ich werde manchmal gefragt was die Unterschiede von den Niederlande und der Schweiz sind. Ein paar Beispiele.
In den Niederlanden mussten wir uns als Sozialpädagog*innen im Berufsregister (SKJ Kwaliteitsregister) registrieren und jedes Jahr eine Anzahl Kurse, Weiterbildungen, Supervisionen etc. folgen die im ganzen Land die gleichen sind. Dies weil wir riskante und komplexe Tätigkeiten ausführen und wir unser Handeln erklären und rechtfertigen müssen. Dies wird im Austausch mit verschiedenen Disziplinen: Psychologen, Pädagogen und der Bildung mit den neusten Wissenschaftlichen Erkenntnisse erarbeitet und auf den neusten Stand gebracht. Ich wünsche mir das die Schweiz das übernimmt.
Es ist üblich in den Organisationen ein Careteam zu haben um Mitarbeiter*innen die Gewalt erfahren (bei uns durch Jugendliche) von Kollegen (Peers) aufgefangen werden, indem sie ein paar Gespräche mit ihnen führen können. Ich bin froh gibt es das seit September 2022 im AB.
Hierarchie tiefer: wir arbeiteten in Teams von 12 Kolleg*innen mit mehr Teamrollen dafür ohne Gruppenleiter. Dies war anspruchsvoll aber gab einen guten Zusammenhalt untereinander. Sogar die Mitarbeitergespräche haben wir mit der gesamten Gruppe besprochen. Wenn wir Unterstützung brauchten, hätten wir unseren Coach, der eine beratende Funktion hatte.
Yvonne Theiler
Sozialpädagogin
Wohngruppe am Rebberg
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