«Wer sich nicht verändert bleibt nicht der gleiche» oder die Organisationsentwicklung & Reorganisation in der Stiftung Albisbrunn.

Albisbrunn ist das grösste offene Jugendheim in der Deutschschweiz. 24 Sekundarschüler und 32 Lernende leben in sechs voll- resp. teilbetreuten Wohngruppen sowie in Studios, welche über das ganze Heimgelände verteilt sind. Im Sommer 2009 stellte sich das damalige Leitungsteam die Frage, wie sich Albisbrunn  entwickeln sollte. Es gab einige Hinweise dafür, dass sich in der Heimlandschaft etwas am verändern war.

  • Jugendliche die auf Grund von zu wenig angepasstem Verhalten in eine Institution eingewiesen wurden gab es nur noch  wenige. Sie wurden oft in teilbetreuten oder ambulanten Angeboten aufgefangen.
  • Schon vor 2009 wurden deutlich weniger Jugendliche durch die Jugendanwaltschaft eingewiesen.
  • Immer mehr Jugendliche machen schon sehr frühkindlich, oft massive traumatische Erfahrungen.
  • Die Jugendlichen hatten oft nur eine sehr lückenhafte und unvollständige Schulbildung – an einen sofortigen Einstieg in eine Berufslehre war nicht zu denken.
  • Oftmals hatten die Jugendlichen keine regel- mässige oder geordnete Tagesstruktur mehr.
  • Ab 2009 setzte sich immer mehr die Haltung durch «ambulante Betreuung vor stationärer Einweisung» oder «Integrative vor  Separative Angebote».
Neues Organigramm von Albisbrunn

Neues Organigramm von Albisbrunn

Aus diesen Überlegungen heraus und auch aus der damit verbundenen Unsicherheit, welche Anforderungen in Zukunft die stationäre Arbeit erfüllen muss, haben  wir entschieden, die Themen umfassend  anzugehen. Unter dem Titel «Vision 2014» arbeiteten wir intensiv an der Zukunfts- planung des Albisbrunn. Den Titel «Vision 2014» wählten wir, weil sich die Gründung von Albisbrunn im Jahre 2014 zum  neunzigsten Male jährt. Die «Vision 2014» entwickelte sich schnell zu einer umfassenden Reorganisation sämtlicher Abläufe.  Im Mittelpunkt der Überlegungen stand von Beginn weg, welche Form wir finden mussten, damit die Jugendlichen im sozialen Zusammensein, in der schulischen Entwicklung und im beruflichen Umfeld gefördert werden können. Ziel war die Tragfähigkeit der einzelnen Abteilungen zu erhöhen.

Die wichtigsten Eckpfeiler

  • Ein grosses Anliegen war, dass die Möglichkeit der durchgehenden Betreuung der  Jugendlichen vom Eintritt bis zum Austritt in derselben Wohngruppe geschaffen wird.  So haben wir im Sommer 2011 die beiden ehemaligen sozialpädagogischen Abteilungen (Schüler und Lernende) zusammengelegt. Dementsprechend wurde auch  die Leitung Sozialpädagogik auf eine Stelle reduziert.
  • Das Aufgabenportfolio der Leitungen der  Wohngruppen wurde angepasst und erneuert.
  • Die Sozialpädagogische Abteilung wurde zur fallführenden Abteilung bestimmt. Das bedeutet, dass sämtliche, den Jugendlichen betreffende Anliegen im Rahmen der Fallführung passieren sollen und direkt vom «fallführenden» Sozialpädagogen verantwortet werden.
  • Anfangs 2013 wurde eine einheitliche Software für die Erfassung der Jugendlichendaten und Journale eingeführt. Sie gilt für sämtliche Bereiche des Albisbrunn (Sozialpädagogik, Schule, Berufsbildung und Therapie). Ebenso werden künftig sämtliche Dokumente nach einheitlichem Standard verfasst.
  • Der Auftritt nach Aussen wird einheitlich gestaltet. Das Logo und der grafische Auftritt von Albisbrunn erhält eine Auffrischung. Ebenso ist die  neue Website aufgeschaltet mit vielen wertvollen Informationen zu Albisbrunn.
Die neue Geschäftsleitung. Von links nach rechts: Ruedi Jans, Toni Schönbächler, Philipp Eder, Daniel Boss

Die neue Geschäftsleitung. Von links nach rechts: Ruedi Jans, Toni Schönbächler, Philipp Eder, Daniel Boss

Das Leitungsteam wurde in einem  intensiven Prozess verkleinert und angepasst. Statt sechs Mitgliedern umfasst die neue Geschäftsleitung seit September 2013 nur noch vier Personen. Es sind die operativen Bereiche Sozialpädagogik, Schulbildung, Berufsbildung sowie die Gesamtleitung. Die Therapie wurde als Stabsstelle der  Gesamtleitung unterstellt ebenso die Finanzen und Liegenschaften. Die Verkleinerung schafft eine Fokussierung auf die Kernaufgaben. Die therapeutischen Leistungen sind nicht mehr in der Hierarchie eingebunden und können so unabhängiger und  fachlicher eingebracht werden. Die Finanzen und Liegenschaften sind Dienstleister und jetzt auch als solche positioniert. Der Organisationsentwicklungsprozess und die Reorganisation wird intensiv  durch eine aussenstehende Fachperson begleitet und mitstrukturiert. Der Stiftungsrat ist im ganzen Reorganisationsprozess eng eingebunden. Mit einem jährlich durchgeführten Retraiten-Tag setzte er die wesentlichen strategischen Vorgaben. Diese Veränderungen und sämtliche Anpassungen sollen im Sommer 2014 abgeschlossen werden. Die Weiterentwicklung von Albisbrunn wird aber über diese  Zeit hinaus dauern.

Ruedi Jans, Gesamtleiter

 

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