In der zweiten Juniwoche veranstaltete die Sekundarschule Albisbrunn, wie jedes Jahr, eine Projektwoche. Den Schülern standen vier Themen zur Auswahl, mit denen sie sich jeweils während vier Tagen vertieft beschäftigen durften. Da gab es die Künstlergruppe, die grosse Wandplakate, T-Shirts oder auch Turnschuhe mit farbigen Sujets gestaltete. Die Sportler, die ihre physischen Grenzen auf Biketouren, Kraftparcours oder Kampfsportarten ausloteten. Die Kulturgruppe, die auf verschiedenen Städtereisen Sehenswürdigkeiten und verborgene Plätzchen entdeckte und die Seglergruppe, die Wind und Wetter auf dem Zürichsee zu trotzen suchte. Über letztere möchte ich als Gruppenleiter etwas ausführlicher berichten.

Für die ganze Woche war insgesamt recht gutes Wetter angesagt mit täglich etwas Wind, der zum Segeln ausreichend sein sollte und für den Zürichsee im Sommer alles andere als selbstverständlich ist. Dazu hatte der See eine Wassertemperatur von etwa  25o, also herrlich zum Baden und angenehm, wenn ein missratenes Manöver mal im Wasser enden sollte. Das Pokern scheint sich gelohnt zu haben, trotz anfänglichen Vorbehalten seitens des Teams. Wir hatten einerseits kleine, aber schnelle Laser Standard Jollen zur Verfügung, die fürs Solosegeln konzipiert sind, andererseits aber auch eine mOcean 26 Daysailor Jacht von knapp 8 Metern Länge und etwa 40 m2  Segelfläche, also mehr als genug, um auch bei schwachen Winden flott Fahrt zu machen, dazu ein kleines Motorboot mit 8PS Motor, das auch von unseren Schülern ohne Ausweis gefahren werden durfte. Unser Heimathafen war das Clubhaus der Seglervereinigung Erlenbach inklusive Grillplatz und zwei Landestegen.

 

Bereits am Montag war ein sportlicher Einstieg angesagt. Während für den Morgen noch eher ruhiges Wetter angekündigt war, sollte der Wind früh am Nachmittag auffrischen zu Stärken zwischen 4 und 5 Beaufort, d.h. Wellen mit ersten Schaumkronen. Es galt also, die wichtigsten Grundbegriffe am Morgen kennenzulernen und schon am Nachmittag auf dem grossen Schiff umzusetzen. Gesagt, getan! Nachdem wir uns in Neoprenanzug und Rettungswesten geworfen hatten und einen Laser aufgeriggt hatten, ging’s aufs Wasser. Nach kurzer Instruktion bekamen alle in der Gruppe die Gelegenheit, ihre ersten Manöver auf Wasser zu fahren, immer in Begleitung des Motorboots, nahe genug für Instruktionen und Tipps. Ich war erstaunt, wie schnell einige Schüler ein Gespür für den Wind entwickelten, obwohl Segeln für alle absolutes Neuland war. Zurück an Land heizten wir den Grill ein fürs Mittagessen. Der Himmel überzog sich bereits mit Wolken und der Wind frischte auf, wir mussten uns also beeilen. Schnell verräumten wir nach dem Essen den Tisch, machten die Jacht klar und stachen in See. Der Plan war, auf der Kreuz Richtung Zürich zu segeln und dann raumschots zurück nach Erlenbach. So konnten wir zunächst harte Amwind-Kurse mit viel „Action“ und Krängung fahren und anschliessend mit dem Wind im Rücken schnell aber ruhig nach Hause zurückrauschen. Die Mannschaft zeigte sich dabei schon bei diesem ersten Törn von ihrer besten Seite: Zwei Mann im Trapez, einer am Ruder, einer am Vorsegel und immer alle konzentriert und voll dabei. Über Deck spritzendes Bugwasser, starke Schräglage und flotte Fahrt. Was für ein Erlebnis!

An den folgenden Tagen wurden wir vom Wind nicht mehr so verwöhnt wie am ersten, doch hatten wir immer eine Brise, die es uns erlaubte, unser Können zu üben und zu vertiefen, auch mal ganz gemütlich bei gemächlicher Fahrt auf Deck an der Sonne zu liegen und über das Leben zu sinnieren oder auch eine Runde mit dem Motorboot zu drehen. Und zu allerletzt, es wäre ja kein richtiges Segeln gewesen ohne das, ist ein Schüler dann doch noch mit einem Laser gekentert und hat gemerkt, dass dies nicht das Ende der Welt, sondern der Anfang einer tollen Sportart ist. Zufriedene Gesichter und eine gute Stimmung in der Gruppe waren der Beweis dafür, dass sich die ganze Sache gelohnt hat.

Lukas Abegg, Lehrperson Sekundarschule

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