Bauklötze, Schaukelpferde, Gesellschaftsspiele und weitere Spielwaren für alle Altersgruppen sind im Schauraum des Schul- und Berufsbildungsheims Albisbrunn ausgestellt – beim Durchgehen fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Million absolviert hier im Schreinereibetrieb seine Lehre zum Schreinerpraktiker mit EBA-Abschluss. Das Besondere an der Schreinerei ist, dass sie in ein Schul- und Bildungsheim integriert ist und dass sie neben den Produktionsbereichen Möbel und Innenausbau und Fensterbau auch Spielwaren und Serienartikel fertigt. Daher lernt Million auch, wie Spielwaren hergestellt werden.

Serienartikel von Hand gemacht

«Im Moment fräse ich die Griffkerben in die Deckel für die Bauholzkisten, in denen schlussendlich die Würfel, Quader und Dreiecke zu Sets zusammengestellt werden», erzählt Million. In der Schreinerei wird die Produktion der Spielwaren in viele kleine Arbeitsschritte aufgeteilt. So arbeiten die Lernenden, von denen einige auch die vierjährige Lehre zum Schreiner EFZ absolvieren, jeweils einen halben Tag an einem Arbeitsschritt. Danach wird gewechselt, so dass sie vom Zuschneiden des Massivholzes bis hin zum Verpacken an allen Stationen der Produktion beteiligt sind. Auf die Frage, welche Arbeit er am meisten mag, antwortet der junge Mann: «Ich schleife und hoble am liebsten.» Für die Serienproduktion seien eine gute Logistik und strenge Qualitätskontrollen grundlegend, erklärt der 18-Jährige weiter, der ursprünglich aus Eritrea stammt und vor rund sech sJahren mit dem Boot in die Schweiz geflüchtet ist. Bei Serienartikeln richte nämlich eine ungenau eingestellte Maschine sehr grossen Schaden an, fährt er fort. Darum prüfen die Berufsbildner die von den Lernenden vorgenommenen Einstellungen nach dem Vier-Augen-Prinzip. Ausserdem sind die Qualitätsansprüche an die Spielwaren sehr hoch. Nicht nur, weil es sich um Produkte für Kinder handelt, sondern auch, weil ein Grossteil in verschiedene europäische Länder und sogar für den Fachhandel nach Japan exportiert wird. Deshalb wird für die Spielwaren ausschliesslich Schweizer Massivholz verwendet, hauptsächlich Buche und Ahorn. «Ahorn lässt sich gut hobeln und gibt wenig Schleifaufwand», berichtet Million.

Was bedeutet altersgerecht?

Der Ruf der Manufaktur für ihre gute Qualität beschränkt sich jedoch nicht nur auf das verwendete Massivholz. Da die Spielwaren hauptsächlich für Kinder bestimmt sind, legt die Manufaktur grossen Wert auf altersgerechte Produkte. «Für uns bedeutet das, dass wir besonders auf fein geschliffene Kanten achten, sodass keine Holzsplitter vorhanden sind, an denen man sich verletzen könnte», erklärt Million. Neben dem Holz seien auch die Farbe und der Lack sehr wichtig. «Diese müssen speichelfest und ungiftig sein, weil gerade Kleinkinder ihre Spielzeuge ab und zu auch in den Mund nehmen», erzählt er. Bemalt und lackiert werden die Spielwaren jedoch nicht von den Schreinerlernenden, sondern mittels Siebdruckverfahren in der Druckerei, die ebenfalls zum Berufsbildungsheim gehört.

Resultat am Ende des Tages

Neben der Ausbildung zum Schreiner bietet das Berufsbildungsheim auch Ausbildungsplätze in zwölf weiteren Berufen. Million ist mit seiner Wahl glücklich. Er arbeite gerne mit Holz und möchte am Ende das Resultat vor sich stehen haben. An einem Tag pro Woche besucht er die hauseigene Berufsschule, wo die Lernenden in kleinen Klassen unterrichtet werden.

Bevor Million in die Schweiz kam und durch die Asyl-Organisation Zürich nach Albisbrunn vermittelt wurde, konnte er nie eine Schule besuchen. Dass er nun in der internen Berufsschule den allgemeinbildenden Unterricht besuchen und eine Lehre machen kann, sieht er als grosse Chance. Da er inzwischen 18 Jahre alt ist, kann er theoretisch das Heim verlassen. Million möchte seine Ausbildung in Albisbrunn jedoch beenden, denn sie wird ihm eine gute Basis geben, um danach selbstständig leben zu können.

Dieser Artikel erschien in der Schreinerzeitung Nummer 14 am 6. April 2017

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