Wie jedes Jahr gehen alle Wohngruppen aus Albisbrunn in ein Aktiviätenlager. Für unsere Wohngruppe war es dieses Jahr eine spezielle und neue Herausforderung. Wir hatten die Möglichkeit ins Ur-Dörfli, eine Einrichtung der Stiftung Pfarrer E. Sieber zu gehen und freiwilligen Arbeit zu leisten. Das Ur-Dörfli ist eine niederschwellige, stationäre Suchthilfeeinrichtung, in der 24h Betreuung erfolgt. Sie sind spezialisiert auf Überlebenshilfe und Schadensminderung, abgeleitet von der Viersäulenpolitik der eidgenössischen Drogenpolitik. Die Einrichtung befindet sich in Pfäffikon (ZH) und kann maximal 29 Personen aufnehmen.

Am Montagmorgen wurden wir von Herrn George Angehrn, Betriebsleiter der Suchthilfeeinrichtung, empfangen. Er informierte uns über die Stiftung und die Tätigkeiten, welchen die Bewohner nachkommen. Wir konnten aktiv am Alltagsgeschehen teilnehmen und mithelfen. Wir hatten die Möglichkeit, mit unseren Jugendlichen in der Küche, der Schreinerei und im Atelier zu arbeiten. Bevor es in der Küche losgehen konnte, musste man zuerst noch einkaufen gehen. Da die Stiftung kaum finanzielle Mittel dafür hat, hat das Ur-Dörfli mit der Coop Filiale im Dorf eine spezielle Abmachung getroffen. Jeden Morgen können sie die Produkte holen, welche noch nicht abgelaufen sind und man nicht mehr verkaufen kann. Somit ist die grosse Herausforderung des Koches mit den Lebensmitteln, die er vom Coop erhält, eine tägliche Mahlzeit zu kreieren. Die Arbeit im Ur-Dörfli, die wir machen konnten, war im Vergleich zu den bisherigen Aktivitätenlagern ganz anders. Im Mal – und Gestaltungsatelier konnten wir unsere gestalterischen Fähigkeiten ausüben. Zeichnen, malen und Kärtchen basteln war angesagt. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Jugendlichen ihre kreativen Adern entdecken und etwas Schönes produzieren konnten.

In der Schreinerei mussten wir von alten Fensterläden die Farbe abschleifen, damit diese später neu lackiert werden konnten. An zwei Tagen konnten wir auch mit auf Patrouille gehen, was bedeutete, an markanten Stellen im Ort Präsenz zu zeigen.

Das gemeinsame Mittagessen und die Gespräche mit den Bewohnern waren sehr eindrücklich und regten uns, sowie auch unsere Jugendlichen zum Nachdenken an. Mittwochnachmittag hat sich ein Bewohner für uns Zeit genommen, um über seine Biographie zu sprechen. Er hat uns aus seinen 20 Jahren Sucht mit Heroin und Kokain erzählt und wie es ihm heute geht. Danach hatten wir die Möglichkeit ihm Fragen zu stellen. Besonders für unsere Jugendlichen hat dieser Vortrag einen hohen präventiven Anteil, den wir sehr schätzten. Wir haben alle sehr gespannt zugehört, was uns der Bewohner erzählte. Danach erfolgte noch ein Vortrag über Einstiegsdrogen und ihre Wirkung in der Pubertät. Auch hier lauschten sie den eindrücklichen Ausführungen.

Wir empfehlen allen Wohngruppen und Interessierten, diese Einrichtung zu besuchen und vor Ort zu erleben, was es heisst, drogenabhängig zu sein und wie im Bereich Schadensminderung dort die Betreuung erfolgt. Es ist interessant, eindrücklich und regt sehr zum Nachdenken an.

Team Wohngruppe Sonnenlaube

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