Es war einmal ein junger Metzger, der sich zu einer Ausbildung zum Sozialpädagogen entschieden hatte. So oder ähnlich könnte die Geschichte von der Albisbrunnwurst beginnen, natürlich begann die Geschichte aber ganz anders…
An einem unscheinbaren Frühlingsmorgen wurde ich von Ruedi Jans auf den Tag der Offenen Tür angesprochen. Er erkundigte sich bei mir, ob ich nicht eventuell Zeit und Lust hätte an diesem Tag den Grill für unsere Gäste zu bewirtschaften. Und ob ich das hatte – jedoch wollte ich gerne etwas mehr zu diesem Tag beitragen. Deshalb schlug ich vor, dass ich mit unseren Jugendlichen ein Projekt realisieren könnte bei dem wir gemeinsam eigene Würste produzieren.
Gesagt – Getan. Als erstes musste natürlich unser Küchenteam miteinbezogen werden. Wir trafen uns in der Küche und brüteten gemeinsam über eine Realisation des Projektes.
In der Albisbrunn Küche hatten wir jedoch nur beschränkte Möglichkeiten, dieses Projekt umzusetzen. Für die Produktion war die Zusammenarbeit mit einer Metzgerei unabdingbar. Reto Fust, unser Küchenchef, erklärte sich freundlicherweise bereit, die Möglichkeit einer Kleinproduktion in der Metzgerei Weiss in Hausen abzuklären und Herr Weiss erklärte sich ohne zu zögern bereit, uns bei der Umsetzung dieses Projekts zu unterstützen.
Nun fehlten nur noch die jungen Nachwuchs „Wursttechnologen“. Nachdem ein befreundeter Grafiker einen coolen Flyer für uns gestaltet hat und dieser in der Schule verteilt wurde, waren Nils, Richi und Manuel sofort bereit, an diesem ambitionierten Projekt mitzuwirken.
Zwei Wochen vor den Sommerferien fand eine erste Testphase in der Küche statt, wo uns die Küchencrew alles Material zum „Wurst kreieren nach eigenem Gusto“ bereitstellte. Die drei Jungs hatten nun die Möglichkeit unter Anleitung eigene Rezepte zu kreieren. Einzige Vorgabe für die Albisbrunnwurst war, dass sie kein Schweinefleisch enthalten durfte. Von der Metzgerei Weiss wurde uns Lamm- und Kalbswurstfleisch zur Verfügung gestellt. Nun waren die Jugendlichen am Zug. Zuerst wurde relativ verhalten gewürzt und die Klassiker wie Salz, Pfeffer, Muskat und Paprika kamen zum Einsatz. Nach einigen Tipps vom Fachmann versuchten die Jugendlichen in neue Kreationen wie zum Beispiel eine „Schoggi-Chilli Lamm Wurst“ oder eine „Ingwer Curry Kalbwurst“.
Bei der Degustation stachen dann aber zwei ganz spezielle Würste aus der Menge heraus.
Dies war zum einen eine Kalbsbratwurst mit einer Zitronen/Chilli Würzmischung und eine Lammbratwurst welche eine sehr orientalische Würzmischung aus Kreuzkümmel, Knoblauch und Ingwer beinhaltete.
Nun durften wir die Würste beim Metzger vom Dorf vorstellen. Auch Herr Weiss war von den zwei Rezepten begeistert und willigte ein, diese für uns zu produzieren.
Nun – eine Wurst verkauft sich schlecht als „Orientalische Lammbratwurst“ oder „neue Interpretation einer Kalbsbratwurst“, genau hier mussten zwei tolle Namen her. Da es uns wichtig war, dass die Jugendlichen die Namen der von ihnen produzierten Würste gleich selber bestimmen durften machten wir uns gemeinsam Gedanken zur Namensfindung.
Die Jungs wurden fündig. Künftig heissen die neu interpretierte Kalbsbratwurst „Fresh Air“ und die Orientalische Kalbsbratwurst „Lambo“. Jetzt konnten die Würste auch einem grösseren Publikum präsentiert werden. An der jährlichen Schulschlussfeier wurden die Würste als kleine Häppchen den anwesenden Gästen gereicht. Von verschieden Seiten folgten positive Rückmeldungen, es wurden angeblich auch schon Würste bei Herr Fust in der Küche gekauf. Nach den Sommerferien durften die Jugendlichen in der Metzgerei Weiss auch einmal bei der Produktion der Würste zuschauen. Jetzt waren wir also gewappnet für unsere Gäste am Tag der offenen Tür. Die Jugendlichen, welche am Projekt mitwirkten, durften diese auch gleich am Tag der offenen Tür am Grill präsentieren und Auskunft geben. An diesem Tag überschlugen sich die Ereignisse um die Albisbrunnwürste. Die Nachfrage war so riesig, dass wir hinter dem Grill Mühe hatten der grossen Nachfrage gerecht zu werden. Die Rückmeldungen der Gäste waren sehr positiv, einige wollten am liebsten fünf Paar für das nächste Grillfest kaufen. Für unsere Jugendlichen war dieser Tag sicher ein spezielles Erlebnis, da sie mit Stolz ihre eigens kreierten Würste vorstellen durften.
Damit das Projekt nach dem Tag der offen Tür nicht in Vergessenheit gerät, haben wir entschieden, die Würste weiterhin bei der Metzgerei Weiss zu produzieren und mit etwas Glück kann man diese ab nächster Grillsaison in der Metzgerei für sein Grillfest kaufen. So, nun hat denn alles ein Ende nur die Wurst hat zwei…
Alexander Leu, Sozialpädagoge in Ausbildung
Schöner Bericht. Aber wieso durfte die Wurst kein Schweinefleisch enthalten? Das macht ja eine Wurst erst so richtig saftig!
Grüäzi Herr Baldinger
Natürlich wollten wir zuerst die Wurst mit
Schweinefleisch herstellen. Nun ist es so, dass die Wurst aus religiösen
Gründen nicht von allen Jugendlichen bei uns in der Institution gegessen werden
könnte. Also haben wir nach einer Alternative gesucht. Hier konnte ich von
meinem Beruflichen know how aus meiner Lehrzeit profitieren. Wir verwendeten
für die Wurst ausschliesslich Kalbs- und Lammfleisch. Dabei galt zu beachten,
dass wir vom besagten Fleisch die saftigen (durchzogenen) Stücke verarbeiteten,
wie zum Beispiel die Schulter oder Stücke von der Kalbsbrust. Mit diesem
Ausgleich konnten wir eine super feine und saftige Wurst herstellen. Dies wir übrigens
auch beim gross Verteiler so gehandhabt wie zum Beispiel bei den Chorizzos und
der Kalbsbratwurst ohne Schweinefleisch. Ich hoffe ich konnte Ihre Frage so gut
beantworten.
Mit freundlichen Grüssen
Alexander Leu
Wohngruppe
La Haya Sozpäd. i.A